Ein langgehegtes Herzensprojekt über die Würde in der Demenz

02.04.17 -- CBF

Es war fünfzehn Jahre her dass ich „Du bist meine Mutter" gesehen hatte. Und es waren über fünfundzwanzig Jahre her dass Hedda Brockmeyer das Stück gesehen hatte, und zwar von Joop Admiraal höchst persönlich, dem Schauspieler der dieses autobiografische Stück über seine an Alzheimer erkrankte Mutter entwickelt hat. Als wir im Gespräch herausfanden dass wir schon immer mal dieses Stück machen wollten hatten sich zwei gesucht und gefunden. Dabei herausgekommen ist eine Arbeit auf die ich sehr stolz bin und die mich als Mensch und Schauspieler ungemein viel weiter gebracht hat. Was mich am meisten fasziniert an dem Stück ist die Spielweise, beide Personen, Mutter und Sohn, durch einen Schauspieler gewissermaßen gleichzeitig darzustellen. Man wird als Spieler im besten Sinne zu einem Medium für beide Personen, man gerät in einen erstaunlichen Zustand. Ein Effekt davon ist, und diesen Zustand erlangt auch das Publikum, dass sich das Zeitgefühl auflöst, und das ist tatsächlich eines der Symptome von Demenz. Nach den Vorstellungen von „Mutter" durfte ich mir in vielen Gesprächen mit Betroffenen, Angehörigen und Fachpersonal aus dem Bereich der Demenzpflege wunderbares Feedback abholen. Und es macht mich sehr glücklich dass ich mit meinem Spiel den Menschen helfen kann: „Mein Vater ist vor zwei Monaten gestorben, er war auch schwer dement. Das hat mir gerade so gut getan da noch einmal durchzugehen!" sagte ein Zuschauerin. Ein Herr von vielleicht 85 Jahren verabschiedete sich mit festem Händedruck und roten Augen und sagte: „Das war das Besten was ich je gesehen habe!" Nun wollen das Theater in der Kurve und ich noch viele viele Zuschauer erreichen indem wir mit dem Stück auf Gastspiel gehen. An dieser Stelle möchte ich mich bedanken bei der wundervollen Regisseurin Hedda Brockmeyer. Nur mit ihr war diese Reise möglich. Und bedanken möchte ich mich bei Joop Admiraal für dieses Werk! Und bei seiner Mutter! Die Presse schreibt: „Christian Birko-Flemming brilliert", „Hedda Brockmeyers eindringliche Inszenierung", „nur ein Schauspieler mit großer Stimmbeherschung und Ausstrahlung wie Birko-Flemming vermag die Dialoge so zu spielen und zu sprechen".